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Weil der Name stirbt: Wackeres Dorf droht mit Straßensperren
Ein Dorf kämpft ums Überleben. Seit Jahren
verschwindet Sachsengrund von den Landkarten, aus
Navigationssystemen - und jetzt sogar von Ortsschildern. Schuld
sind die Nachbarn aus Morgenröthe-Rautenkranz. Doch das lassen
sich die tapferen Sachsengrunder nicht gefallen. Sie sammeln
Unterschriften für das Überleben ihres Dorfes - und drohen sogar
mit Straßensperren.
„Sachsengrund hat drei Straßen und 29 Einwohner - aber keinen
eigenen Ortsnamen mehr.“
Vor elf Jahren ließen die Morgenröther ihren Ortsteil Sachsengrund
stillschweigend sterben - keiner kriegte es mit. Das änderte sich
erst 2009, als auch Morgenröthe-Rautenkranz in der neuen
Einheitsgemeinde Muldenhammer aufging.
Da ging den Sachsengrundern auf, dass es sie im Grunde nicht mehr
gibt. Das Dorf wehrt sich mit Mann und Maus gegen die Okkupanten.
Jürgen Meinhold (58) rief die Aktionsfront „Freies Sachsengrund“
ins Leben. Mehr als alle machen mit. Bei 29 Einwohnern sammelten
Meinhold und Co. 43 Unterschriften für Sachsengrund - „inklusive
Ferienhausbesitzer“.
Jürgen Meinhold fordert eigene Ortsschilder und einen
Ortsvorsteher: „Andere Orte wurden durch Braunkohle zerstört, wir
durch Schilder. An meiner Heimat hängt mein Herz. Wir kämpfen,
wenn nötig auch mit Straßensperren.“ Sperren gegen Morgenröthe,
Geburtsort des Kosmonauten Sigmund Jähn. Am liebsten
würde Sachsengrund die Nachbarn zum Mond schießen.
Edeltraud Jäschke (75) bemerkte: „Unser Dorf darf nicht
unterdrückt werden!“ Sieht Mario Rojahn (33) genauso: „Wir haben
drei Straßen, die zwei höchsten Berge des Vogtlandes und keinen
Handyempfang. Das muss reichen für einen eigenen Namen.“
Waidmannsheil-Wirtin Anja Aurich (44) hat sich etwas einfallen
lassen: „Auf meinen Visitenkarten steht 08262 Sachsengrund.“
Gestern war Versammlung. Dort verteidigte der Bürgermeister des
Ortsverbundes Muldenhammer, Jürgen Mann (56, Freie Wähler), die
Namenswahl: „Morgenröthe-Rautenkranz hatte einst Priorität. Damals
hätten die Sachsengrunder auf den Tisch hauen müssen. Jetzt ist es
zu spät.“
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